Ein immer noch aktuelles Thema

Pferdeimpfung

Ein wenig Aufklärung aus Tierarzt-Sicht

Pferde werden  bei uns in Deutschland gegen Tetanus (Bakterien), Influenza (Viren), Herpes (Viren) und vereinzelt (abhängig von der örtlichen Seuchenlage) gegen Tollwutvirus geimpft.

Tetanus: wird durch sogenannte anaerobe Bakterien hervorgerufen. Diese Erkrankung ist für Mensch und Tier in aller Regel tödlich, zumindest aber sind Heilungsversuche sehr teuer und aufwendig mit meist sehr fraglicher Prognose. Eine Schutzimpfung ist beim Pferd als obligatorisch anzusehen und sollte möglichst nicht als Kombinationsimpfung mit Influenza und/oder Herpes erfolgen.

Influenza: es werden hier verschiedene sogenannte Serotypen unterschieden.

- Vom Typ 1 wurde der erste  Stamm in Prag 1956 isoliert; das Virus ist genetisch stabil.

- Vom Typ 2 wurden mehrere unterschiedliche Stämme isoliert, der erste 1963 in Miami.

Die stärkeren Krankheitsbilder und die heftigeren Krankheitsverläufe werden vom Typ 2 verursacht. Dieses Virus ist die Ursache von richtigen Seuchenzügen mit Fieber bis 42°C, Lungenentzündung mit nachfolgender Dämpfigkeit, auch Todesfälle können auftreten.

Auch durch die heute starke Mobilität der Pferdepopulationen werden solche Seuchenzüge begünstigt.

Da sich das Virus vom Typ 2 im Verlauf der Jahre immer wieder verändert hat, ist auch immer wieder eine Anpassung des Impfstoffes an das Feldvirus erforderlich.

Die Impfstoffhersteller sind daher bemüht, ihre Produkte den neuesten Serotypen anzupassen. Durch Verwendung alter und damit nicht mehr aktueller Stämme kommt es sehr leicht zu einem unzureichenden Impfschutz, obwohl die Pferde eigentlich geimpft sind. Solche Pferde können auf Grund der Krankheitssymptome nicht mehr immer eindeutig als „influenzaerkrankt“ identifiziert und entsprechend behandelt werden. Daher ist eine laufende Aktualisierung der Impfstoffe mindestens genauso wichtig wie eine regelmäßige Impfung.

Aber es ist nicht allein mit der von der FN und anderen Organisationen geforderten regelmäßigen Impfung gegen Influenza getan!

Herpes: auch hier sind verschiedene Typen bekannt. Die wichtigsten sind EHV (Equines Herpes Virus) 1 und EHV 4. Beide Viren rufen vergleichbare Krankheitsbilder hervor:

Erkrankung der Atemwege: hier gilt EHV 4 als Hauptverursacher, aber EHV 1 kann ebenso beteiligt sein. Die Erkrankung betrifft meist die oberen Luftwege, es kann aber durch dazukommende  bakterielle Infektionen auch zu Entzündungen der Bronchien kommen.

Erkrankungen im Genitaltrakt der Stute (Virusabort): Hier ist der Hauptverursacher EHV 1. Es kommt meist im letzten Drittel der Trächtigkeit zum Abort, oder es werden lebensschwache infizierte Fohlen geboren. Meist sterben solche Fohlen dann innerhalb der ersten Tage nach der Geburt.

Erkrankung des Zentralnervensystems: Hier sind ebenfalls beide Typen beteiligt. Aus einer anfänglichen Erkrankung der Atemwege, mit den Symptomen einer „Erkältung“, entwickelt sich über eine anfangs leichte Steifheit der Hinterhandmuskulatur eine Bewegungsunfähigkeit bis hin zum Festliegen mit Blasen-, Darm- und Penislähmung. Etwa für die Hälfte der erkrankten Pferde ist der Ausgang der Erkrankung tödlich, Behandlungsversuche sind meist erfolglos.

Ähnlich wie beim Menschen, der auch zu einem hohen Prozentsatz „Herpesträger“ ist, bleibt auch das Pferd nach seiner Erstinfektion ein Leben lang Virusträger.  In Stresssituationen kann es zum Krankheitsausbruch kommen.

International geht man davon aus,
dass ca. 80% der Pferde Virusträger sind!

Die Impfung bewirkt eine Reduzierung der Krankheitssymptome und vor allem eine Reduzierung der Virusausscheidung. Voraussetzung für einen Erfolg ist hier aber eine sogenannte Bestandsimpfung, das heißt, der gesamte Bestand muss geimpft sein, um das Virus zu unterdrücken! Die Infektion selbst kann momentan durch keine Impfung verhindert werden.

Derzeit erfüllen nur zwei in Deutschland zugelassene Impfstoffe alle Voraussetzungen, um Ihrem Pferd Impfschutz gegen Influenzaviren und beide Herpesviren zu gewährleisten! Es handelt sich um:
Resequin NN plus der Fa. Intervet und um
Duvaxyn IE plus mit Duvaxyn EHV 1,4 der Fa. Pfizer.

Nur damit ist derzeit ein Schutz im Rahmen des Möglichen bei Einhaltung der vorgeschriebenen Impfintervalle erreichbar

Tollwut: Diese Erkrankung spielt mittlerweile auf Grund der durchgeführten Bekämpfungsmaßnahmen keine so große Rolle mehr, da Deutschland frei ist von der Fuchstollwut. Pferde, die in Tollwut gefährdete Gebiete verbracht werden, sollten geimpft sein. Da aber hier keine Grundimmunisierung erforderlich ist, kann notfalls kurzfristig ein Impfschutz aufgebaut werden.


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Dr. G. Oeppert nach Vorlagen von Prof. Dr. Dr. Peter Thein