Noch eine Woche vor dem ersten hessischen Wettbewerb im Spanischen Schritt gibt es mehr Ab- als Zusagen. Das „Pony“ hat immer noch mit der Sehne zu kämpfen, Chico streckt immer nur links aber nicht rechts richtig nach vorne und die Besitzerin von Quendo möchte sich das Ganze zuerst einmal aus Zuschauersicht betrachten. Trotzdem sind immerhin noch sechs Teilnehmer angemeldet, von denen fünf am Abend des 25. Juni im Rahmen des Showprogramms beim Kelkheimer Turnier auch eingetroffen sind.
Zu meiner freudigen Überraschung ist das Niveau aller Pferde bereits im Übungsring etwa gleich gut und hoch. Der Regen hat aufgehört und die Bläser geben die Vorlage für den Triumphmarsch aus Aida vom Band, der jeden einzelnen Teilnehmer in seiner Vorführung begleitet. Start- und Zieldurchtritt werden durch Blumenkübel markiert, die zu überwindende Distanz, die im reinen, spanischen Schritt zurückzulegen ist, beträgt 15 Meter.
Das Los hat Herbert mit Ariane Drossart als erste Starterin erkoren, und der kleine Shettywallach schmeißt aufgekratzt die Beine in die Luft, unterbricht, schreitet weiter, lässt nochmals ein, zwei Schritte aus und hat endlich die Distanz von 15 Metern überwunden. Die Zuschauer applaudieren noch, als schon die zweite Starterin, Heike Hofmann, mit ihrer 18jährigen Finnstute „Kim“ in die Arena tritt und gut ausholend gleichmäßig voran tritt.

Drei Richter beurteilen immer sofort im Anschluss an den Spanischen Schritt die Vorführung mit Noten zwischen 1 und 10, es dürfen auch halbe Noten vergeben werden. Nachdem sich Herberts Noten zwischen 5,5 und 6,5 bewegten, liegen die Wertungen für Kimm schon zwischen 7 bis 8.
Als dritter Starter bietet der Pintohengst "Flash for Fantasy" eine kleine Abwechslung für die Zuschauer: Vielleicht hatte die Besitzerin Heike Seubert ein bisschen zuviel die Gerte eingesetzt, so dass der Hengst mitten auf der Strecke einfach beide Beine gleichzeitig einzieht, sich niederlegt und nicht mehr am Wälzen zu hindern ist. Die Vorführerin nimmt es mit Humor und beginnt noch mal von vorne, allerdings gelingt die Vorführung auch jetzt noch nicht so richtig gut, so dass von den Richtern relativ einmütig die 4 gezogen wird.
Die vierte Starterin bin ich selbst. Fallada, sein richtiger Name lautet "Negro S", ist nicht besonders showgeeignet. Mit seinen 22 Jahren ist er in fremder Umgebung immer noch zu hengstig auf der einen und zu ängstlich auf der anderen Seite. Ich hebe meinen Arm, um die Musik starten zu lassen. Dann konzentriere ich mich – Fallada soll, gerade zu Beginn der Strecke, das Bein einen kurzen Moment halten, bevor er los schreiten darf. Er hebt die Beine vielleicht nicht ganz so hoch, wie er es sonst kann, aber seine Spezialität, das ganz kurze, gestreckte Halten in der Waagerechten, zeigt er, für mein Gefühl, gut. Zwei-, dreimal schwächelt er vorne links, fast fühle ich mich wie ein Zehntausendmeterläufer, als wir mit nachlassender Energie endlich die Blumenkübel der Ziellinie erreichen.

Geschafft, ausgerechnet jetzt sind meine Leckerchen zu Ende, ich kann Fallada gar nicht richtig belohnen, aus erziehungstechnischen Gründen höchst unglücklich. Gleich darauf werden die Wertnoten mit 8 bis 8,5 bekannt gegeben. Das hört sich allerdings gut an. Die letzte Starterin, Jenny Rosberg, ist mit Unicorn angereist und reitet ihr Pferd als einzige Starterin, sogar ohne Sattel, anstatt es zu führen. Auch ihre Vorstellung ist sehr ordentlich. Sofort im Anschluss erfolgt die Platzierung durch den Sprecher.
Er beginnt, entgegen der Vorgabe, mit dem ersten Platz. In diesem Zusammenhang fallen dann mein und Falladas Name. Überrascht und erfreut stelle ich fest, dass wir den Wettbewerb tatsächlich gewonnen haben, was ich nach der Beobachtung der Konkurrenz nicht erwartet hatte. Als zweite, mit nur sehr geringem Abstand, wird Heike Hofmann mit Kim platziert, dicht gefolgt von Jenny Rosberg mit Unicorn. Der kleine Herbert kommt auf den vierten Platz, das Schlusslicht bildet Flash vor Fantasy. Die schönen Schleifen werden angesteckt, als Erstplatzierte erhalte ich eine Dose Biotin von der Firma WDT (Wirtschaftsgemeinschaft deutscher Tierärzte) für gutes Hufwachstum, alle anderen Teilnehmer erhalten als Dreingabe eine Wurmkur.

Im Spanischen Schritt verlassen wir unter dem Applaus der Zuschauer die Bahn, was noch mal den schönen Gesamteindruck unterstreicht. Für das nächste Jahr ist der zweite Hessische Wettbewerb im Spanischen Schritt geplant, einen Tag nach der Veranstaltung gibt es schon 8 bis 10 Zusagen! Mal schauen, was daraus wird …
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