Am Donnerstag, den 7.10., gingen Ingo und ich gegen 11.00 Uhr auf die Reise in den hohen Norden und wir kamen bei Michael Bunse kurz nach 18.00 Uhr an. Er hatte schon ein wundervolles Abendbrot vorwiegend mit „Außenbordkameraden“ vorbereitet.
Nach langen Gesprächen über das, was in den nächsten Tagen auf uns zukommen würde und über Aktuelles aus der Szene, kamen wir dann schließlich doch noch vor Mitternacht ins Bett. Nach einem fürstlichen Frühstück ging es auf die Reise über Dänemark und die große Sundbrücke an Kopenhagen vorbei nach Helsingborg, wo wir mit der Fähre nach Helsingœr, bei gutem Wind von vorn, nach Schweden übersetzten.
In Schweden fuhren wir über die E 4 durch endlos buntgefärbte Herbstwälder weiter nach Jönköping, das an einem schönen See liegt. In Husquarna klettert die Straße ein paar Höhenmeter hinauf und man kommt auf eine hügelige mit großen Felsbrocken und abwechselnden Moorflächen durchsetzte Hochfläche durch Weideland und Wälder zur kleinen Stadt Aneby. Von Aneby aus ging‘s auf engeren und sehr kurvenreichen Straßen nach dem nicht mehr so fernen Nobynäs. Hier liegt das - wunderbar zwischen uralten Bäumen - Anwesen von Ulla Haygood, nur durch eine Eisenbahnlinie von einem schönen großen See getrennt in einer wald- und wasserreichen Gegend.
Nach dem gemeinsamen Abendessen, das von der Gastgeberin liebevoll und delikat für alle angereisten Züchter und Freunde des Friesenpferdes zubereitet worden war, wurden die letzten Ergänzungen von Unterlagen – vorbereitend für die Zuchtschau – vorgenommen.
Am Samstag pünktlich um 10.00 Uhr begann die Zuchtschau mit drei Stutfohlen. Dabei war leider auch ein Fohlen mit etwas reichlich unerlaubter Farbe trotz rein schwarzer Eltern. Trotz der hier erforderlichen Abzüge in der Korrektheitsnote erreichte das Fohlen eine 2. Prämie. Es ist verständlich, dass ein Züchter über so ein „farbiges Geschenk“ nicht sehr erfreut ist, aber mit der guten Bewegung die das Fohlen zeigte, hat es alle Grundvoraussetzungen für ein gutes Sportpferd.
Die drei vorgestellten Hengstfohlen erhielten hohe 2. Prämien, leider war aber bei allen der Schritt nicht ganz so, wie die Kommission und sicher auch die Besitzer sich erhofft hatten, so dass es diesmal nicht ganz zu der erhofften ersten Prämie reichte.
In der offenen Klasse wurden zwei schon gut entwickelte Hengste von ihren neuen Besitzern vorgestellt, die hoffen lassen können.
Zur Stammbucheintragung kamen sechs Stuten, deren Qualität man mit Fug und Recht als überdurchschnittlich bezeichnen kann. Zum Schluss wurde dann noch der Pascha „Melle“ - inzwischen 23 Jahre alt - präsentiert, der in hervorragender Kondition und voller Lebenslust durch die Halle schwebte.
Schausiegerin wurde „Izel CL“ mit der Wertnote 8,23, das Stutfohlen erhielt eine Abschwitzdecke in die es allerdings noch hineinwachsen muss. Alles in allem war Nobynaes 2010 eine qualitätsvolle und hochkarätige Veranstaltung.
Am nächsten Morgen ging’s wieder früh los, da wir eine weite Strecke über teilweise kleinere Straßen, mit strikten Geschwindigkeitskontrollen durch stationäre Radaranlagen (oft auf freiem Feld - ;-() vor uns hatten. Mit Hilfe der Navigation schafften wir es, trotz der eigentlich länger veranschlagten Zeit, pünktlich anzukommen. Die ersten Winterboten begrüßten uns zu Beginn der Fahrt - dichter Nebel, Raureif und vereiste Stellen auf den Straßen - doch später kam die Sonne durch und alles war „schwedisch“ – goldgelb auf blauem Grund. Die Fahrtstrecke zeigte uns die schönen Seiten dieses weiten Landes mit seinen wunderbaren Wäldern und Seen ohne Ende.
Stefan Östberg ist dabei, sich in einem ehemaligen Sägewerk eine Reitanlage, sogar mit Badeplatz für die Pferde im nahe gelegenen See, aufzubauen. Eine Trocknungshalle wurde zur Reithalle, und Lagerhallen sind teilweise schon zum Pferdestall oder Unterstellplatz für Pferde umgebaut. Koppeln zwischen dem See und der Anlage runden das Ganze ab.
Es wurden ein Hengstfohlen, ein Stutfohlen, drei Stuten, ein Wallach, ein Junghengst und ein gekörter Hengst vorgestellt. Das Stutfohlen zeigte sich im Schritt und Trab nicht so richtig in der erwünschten Manier. Stefan meinte, es sei beleidigt weil ihm Haare zur DNA Analyse ausgerissen wurden, dennoch reichte es locker für eine 2. Prämie.
Das Hengstfohlen hatte kleinere Exterieurprobleme, konnte sich aber gut bewegen und erhielt eine hohe zweite Prämie. Auch die Mutter dieses Fohlens wurde zur Eintragung vorgestellt. Da sie allerdings durch das Fohlen nicht so ganz in der richtigen Ausstellungskondition war und die Besitzerin nicht realisiert hatte, dass ohne Eintragung der Stute eine Registrierung des Fohlens nicht möglich ist, wurden beide etwas überrascht. Dennoch erhielt „Weike van der Dries“ eine zweite Prämie, wurde zur Leistungsprüfung angewiesen und ins Stammbuch I eingetragen.
Eine weitere Stute, „Maloeë“ wurde zur Fristverlängerung für die Stutenleistungsprüfung erneut vorgestellt.
„Romkje B.“ eine Stute aus den Niederlanden, mit leider nicht ganz den Anforderungen für das Stammbuch I entsprechendem Pedigree, wurde mit der Note 8,2 ins Stammbuch II eingetragen. Auch sie kann selbstverständlich die Leistungsprüfung ablegen, allerdings sind direkte männliche Nachkommen nicht körfähig. Diese Stute wurde auf Grund der Bewertung Schausiegerin und dankte dies ihren Besitzern mit „Starallüren“, sie wollte über Stunden an diesem Tag absolut nicht mehr auf den Hänger.
Der Wallach „Valkon vom Urfftal“ wurde zur Prämierung als Sternwallach vorgestellt und wurde trotz seiner etwas römisch geprägten Nase auf Grund seines korrekten Exterieurs und seiner überdurchschnittlichen Bewegungen mit 8,0 zum Sternwallach erklärt.
Als Köraspirant wurde „Teodine vom Urfftal“, ein Sohn des „Puschkin“ aus der „Verena M, S“ vorgestellt. Nach Meinung der Kommission erscheint der Hengst zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber nicht dafür geeignet die bestehende Population zu verbessern.
Nur zur Bewertung, ohne Registrierung, wurden zwei ansprechende Kreuzungsprodukte des Hengstes „Dytmer van Penjum“ vorgestellt. Der Hengst selbst präsentierte sich in guter Kondition mit und hat sich deutlich positiv entwickelt.
Am nächsten Morgen mussten wir schon wieder sehr früh zur Heimreise aufbrechen, denn es musste mit Störungen auf den Straßen gerechnet werden, denn in Schweden wurde die Jagdsaison eröffnet. Wider Erwarten kamen wir störungsfrei durch und gelangten am frühen Abend bei Michael Bunse in Böel an, wo uns seine Frau Marion schon erwartete. Die herrlichen Landschaftsbilder und das Gefühl der kalten Witterung gedanklich noch gespeichert, beendeten wir den „Ausflug“ nach Schweden, fuhren nach Hause um Koffer zu packen – USA wir kommen!
OE